Saat

Nach der Massenvermehrung der Mäuse in diesem Winter ist die Narbe von vielen Grünlandbeständen sehr lückig geworden. Es ist jetzt schon abzusehen, dass die Landwirte mit geringeren Erträgen zum ersten Grassilageschnitt rechnen müssen.

Neben den üblichen Grünland-Pflegemaßnahmen wie Striegeln, Schleppen und Walzen ist eine Nachsaat daher unumgänglich. Liegt der Lückenanteil über 50% sollte die Parzelle neu eingesät werden.

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Die Qualität des Pflanzenbestandes

Allgemein kann man sagen, dass ein ausgewogener Pflanzenbestand  aus 70-80% Gräsern, 10-15% Kräutern und 10-15% Leguminosen bestehen sollte. Die Gräser garantieren einen ausreichenden Ertrag, die Kräuter tragen zur Schmackhaftigkeit des Grasbestandes bei (so wie das Salz in der Suppe) und die Leguminosen garantieren eine größere Nutzungselastizität.

Zum Pflanzenbestand der ausgewählten Grünlandparzelle auf dem Betrieb Wirtz Agri bleibt fest zuhalten, dass es sich qualitativ um einen recht guten Pflanzenbestand handelt, welcher jedoch aufgrund der aktuellen Mäuseschäden zwischen 30 – 50% Lücken aufweist und somit ideal für unseren Versuch mit unterschiedlichen Nachsaatverfahren ist. Der Pflanzenbestand setzte sich zu 50% aus Englischem Raygras, 10% Gemeiner Rispe, 5-10% Fuchsschwanz und 5-10% Wiesenlieschgras (Timothee) zusammen. Klee war infolge der Mäuseplage nur noch in sehr geringen Anteilen erkennbar und auch der Kräuteranteil lag unter 5%.

Kurzinfos zur Gemeinen Rispe und dem Wiesenfuchsschwanz

Die Gemeine Rispe ist auf allen Grünlandstandorten vorhanden und gehört im Gegensatz zur Wiesenrispe zu den schlechten Grünlandgräsern. Man erkennt sie an dem relativ langen, nach oben spitz zulaufenden Blatthäutchen. Die Gemeine Rispe verändert zum zweiten und zu den Folgeaufwüchsen hin nahezu vollständig ihr äußeres Erscheinungsbild: nach dem ersten Schnitt bleibt sie niederwüchsig und bildet einen dichten Filz mit zahlreichen Ausläufern, der gute Gräser vom Standort verdrängt.

Die Gemeine Rispe bringt somit nach dem ersten Aufwuchs keinen Ertrag mehr und wird wegen des muffigen Geruchs und Geschmacks nicht sehr gern von Weidetieren gefressen. Mit einem Grünland- oder Ackerstriegel kann die Grasnarbe entfilzt werden, d.h. die flachwurzelnden Ungräser wie die Gemeine Rispe werden herausgerissen und  vertrocknen; die tief wurzelnden Kulturgräser (z.B. Raygras) werden nicht herausgerissen.

ACHTUNG: Der heraus gestriegelte Grasfilz  der Gemeinen Rispe wächst bei feucht- warmem Wetter sofort wieder an. Es ist somit sinnvoller die Gemeine Rispe nach dem ersten Schnitt heraus zu striegeln, denn dann ist es aufgrund der Wetterbedingungen sicherer, dass sie auch vertrocknet. In die entstandenen Lücken müssen dann wertvolle Gräser nachgesät werden.

Wiesenfuchsschwanz ist ein ertragsreiches, konkurrenzstarkes Gras mit gutem Futterwert.  Das Problem liegt darin, dass der Wiesenfuchsschwanz vor allen anderen Gräsern im Frühjahr blüht und daher die Schnittnutzung oder Beweidung oft in einem zu späten Entwicklungsstadium für dieses Gras stattfindet. Dadurch verschlechtert sich dann auch der Futterwert, da das Gras bereits zu stark verholzt ist.

Eine frühe Beweidung im März /April stoppt die zügige Entwicklung des Wiesenfuchsschwanzes im Frühjahr.