Klimawandel : Welche Futterpflanzen für einen nachhaltigen Futterbau?

Das Klima in Europa wird zukünftig vermehrt sowohl durch unregelmäßige, saisonale, wenngleich durchaus auch hohe Niederschläge, als auch durch Hitzewellen und Trockenperioden im Sommer gekennzeichnet sein. Dies sind keine guten Voraussetzungen für tierhaltende Betriebe, die zunehmend Probleme haben werden sichere und ausreichende Erträge im Futterbau zu erzielen. Bekanntlich schießen, während einer andauernden Trockenphase, die Preise für Futtermittel in die Höhe, und bringen somit das finanzielle Gleichgewicht mancher Tierzüchter in Gefahr. Deshalb gilt es mehr denn je die Resilienz unserer Futterbausysteme, gegenüber den Klimakapriolen zu verbessern. 

Versuchsresultate aus dem Jahr 2013

Dieses Forschungsprojekt, finanziert durch den öffentlichen Dienst Walloniens  (DGO3),  hat sich zum Ziel gesetzt  die Resilienz der Futterbauerträge in Wallonien gegenüber dem zu erwartenden Klimawandel zu erhöhen. Im Rahmen dieses Projektes wurde, unter anderem, anfangs 2013 der Versuch gestartet, während mehreren Jahren unter den natürlich vorkommenden, schwankenden Klimabedingungen, 22 verschiedene Futterpflanzen  zu  prüfen. Bei diesen 22 Kulturpflanzenarten, handelt es sich teilweise um Arten die bis dato wenig oder gar nicht in unseren Regionen angebaut wurden. Die Versuchsflächen befinden sich in Corroy-le-Grand,  auf einem sandig-lehmigen  Standort. Die verschiedenen Arten wurden in Reinsaat in Parzellen von entweder 24m² (Silomais und Zuckerhirse) oder 12.6 m² (die anderen Pflanzenarten) in vierfacher Wiederholung ausgesät.

In Grafik 1 sind die Trockenmasseerträge aller geprüften Arten aus dem Jahre 2013 aufgeführt. Bei den mehrjährigen Gräsern sticht vor allem das Bastardweidelgras mit  25.2 t TM/ha hervor, bedingt vor allem durch einen exzellenten ersten Schnitt (11.5 t TM/ha). Die Pampas-Trespe, sowie einer der beiden  Wiesenschweidel  (Deutsches Weidelgras x Wiesenschwingel) als auch das Deutsche Weidelgras haben ebenfalls mit respektiven 21.9, 21.1 et 19.7 t TM/ha sehr gute Resultate zu verzeichnen.  Während des Sommers (3. Schnitt) vermochten die Pampas -Trespe (4.3 t TM/ha), der Wiesenschweidel (Typ Welsches Weidelgras x Rohrschwingel, 4.2 t TM/ha),  der Rohrschwingel (4.0 t TM/ha) und das Knaulgras (3.5 t MS/ha) die besten Erträge zu erzielen. Die Weidelgräser kennzeichneten sich insgesamt durch niedrigere Erträge beim 3. Schnitt, da bei diesen Futtergräsern die Produktivität ab 20°C abnimmt. (Mitchell & Lucanus, 1962). 

Grafik1 : Trockenmasseerträge (global und pro Schnitt) der Versuchsparzellen. Die entsprechende Stickstoffdüngung pro Futterpflanzeanart  ist (in kg N/ha)  in der Legende ausgedrückt.  Die Fehlerbalken stellen die Standardabweichungen dar.   R.G. Hybride= Bastardweidelgras, RGA=ray-grass anglais =  Deutsches Weidelgras, RGI=ray-grass italien= Welsches Weidelgras, Fest.=festulolium= Wiesenschweidel, FEPR=fétuque des prés = Wiesenschwingel, FEAR=fétuque élevée = Rohrschwingel, Brome cath.=brome cathartique= Pampas -Trespe, Brome sitch.=bromesitchensis =Sitka Trespe, Mais fourrager = Silomais, sorgho sucrier = Zuckerhirse,  Sorgho hybride =Hybridsorghum, Sorgho soudan= Sudangras, Millet perlé = Perlhirse, Moha = Kolbenhirse, Trèfle violet = Rotklee, Luzerne=Luzerne, Sainfoin=Esparsette, Trèfle d’Alexandrie = Alexandrinerklee, Trèfle Perse = Perserklee, Graminées= Gräser, Légumineuses= Leguminosen, Pérennes= Mehrjährig, Annuelles=Einjährig.

2013 war kein günstiges Jahr für die einjährigen Gräser vom C4 Typus, da das Frühjahr außergewöhnlich kühl war. Nur der Mais wusste mit hohen Trockenmasseerträgen zu überzeugen (Grafik 1). In unseren Regionen empfiehlt es sich die mehrschnittigen Sorghumarten  ( Hybridsorghum und Sudangras), die Perlhirse und die Kolbenhirse bevorzugt als Sommerzwischenfrucht anzubauen um sich deren Schnellwüchsigkeit und Trockenresistenz zu Nutze zu machen. Sie können sowohl beweidet als auch als Grünfutter verabreicht werden um Defizite des Sommerfutterbaus auszugleichen. Zuckerhirse eignet sich zur Silagenutzung, dabei sollte man Wert darauf legen, möglichst frühreife Sorten anzubauen. Bei den Leguminosen fiel der erste Schnitt deutlich niedriger aus als bei den Gräsern. Hingegen verbesserte sich zum 3. Schnitt die Produktivität deutlich, siehe Rotklee (6.6 t TM/ha), Luzerne (5.6 t/ha), Alexandrinerklee (4.3 t TM/ha). Die Esparsette jedoch vermochte unter den gegebenen  Boden-und Klimaverhältnissen keine zufriedenstellende Ergebnisse zu liefern.

Diejenigen Gräser, die die besten Trockenmasseerträge erzielten, vermochten ebenfalls die höchsten Hektarerträge an Energie zu erzeugen (ausgedrückt in MVEM/ha, 1 MJ NEL = 0,138 MVEM, Grafik 2).  Bei den Leguminosen wies der Rotklee die bedeutendsten Rohproteinerträge pro ha auf (3.5 t MAT = Rohprotein/ha), gefolgt vom Alexandrinerklee (2.8 t MAT/ha), der Luzerne (2.7 t MAT/ha) und dem Perserklee (2.3 t MAT/ha). 

Welches Szenario für die kommenden Jahre ?

Das angestrebte Ziel ist nicht etwa den Tierzüchtern die Futterpflanzenarten zu empfehlen, welche unter optimalen Bedingungen, am produktivsten sind, sondern diejenigen die sich im Laufe der Jahre als wirtschaftlich lebensfähig erweisen, vor allem  bei außergewöhnlichen Klimaereignissen wie Trockenheit oder exzessive Nässe gegen Ende des Frühjahrs.  Die Versuchsergebnisse aus dem Jahre 2013, welches nicht außergewöhnlich trocken war,  müssen mit jenen aus den kommenden Jahren verglichen werden. Alles in allem werden diese Versuchsergebnisse uns vor allem erlauben das Potenzial der im Versuch geprüften exotischen Arten für unsere Anbauregionen besser bewerten zu können. Dieser Versuch wird ebenfalls demnächst in den Ardennen (Michamps, Höhenlage 500m) angelegt werden, um das Verhalten dieser Nutzpflanzen unter kälteren Bedingungen zu studieren und die Winterfestigkeit der mehrjährigen Arten zu bewerten. 

Grafik 2 : Energieleistung (in MVEM/ha) und Rohproteinertrag  (in MAT/ha) der 22 verschiedenen Futterpflanzenarten. Die Gräser werden durch blaue  Rauten dargestellt, die Leguminosen durch rote Dreiecke. Die Fehlerbalken geben die Standardabweichungen wieder. RGH=Bastardweidelgras, RGA=Deutsches Weidelgras, Fest.1=festulolium (Welsches Weidelgras x Rohrschwingel), Fest.2=festulolium (Deutsches Weidelgras x Wiesenschwingel), Fét=Rohrschwingel, Br. cath.=Pampas -Trespe, Br. sitch.=Sitka Trespe, Tr. Alex.= Alexandrinerklee, Tr. Perse= Perserklee.
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Schnell gelesen

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Autoren

Hainaut, P., Decamps, Ch., Lambert, R., Sadok, W.

Contact : pierre.hainaut@uclouvain.be

Organisationen

Université catholique de Louvain
Earth and Life Institute  - Agronomy
Croix du Sud 2 bte L7.05.23
1348 Louvain-la-Neuve (Belgique)

Forschungsgruppe

Stress Agronomy. Angewandte Forschung  in ökophysiologie/agronomie unter abiotischem Stress

Projektfinanzierung durch 

In Zusammenarbeit mit 

Quellen

Mitchell, K.J., Lucanus, R. 1962. Growth of pasture species under controlled environment. New Zealand Journal of Agricultural Reasearch, 5:1-2, pp. 135-144.